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Krise drückt Einstiegsgehälter europaweit
Towers Perrin analysiert aktuelle Vergütung von Absolventen und Young Professionals im europäischen Vergleich
Frankfurt, 23. Juni 2009. Berufseinsteiger sehen sich europaweit mit rückläufigen Bezügen konfrontiert. Über Länder und Branchen hinweg sinkt die durchschnittliche Gesamtvergütung im Vergleich zum Herbst 2008 um -3,6%. Am deutlichsten wirken sich die Veränderungen in Großbritannien (-9,4%), am geringsten in Italien (-0,5%) aus. Im Branchenvergleich sinken die Gehälter am stärksten in der High Tech- und Telekom-Industrie sowie bei Finanzdienstleistern. Ausnahme ist die Pharma- und Chemie-Industrie, in der Berufseinsteiger bis auf Großbritannien auf Vorjahresniveau oder wie in Italien sogar besser vergütet werden.
Trotz des allgemeinen Vergütungsrückgangs erweist sich Deutschland nach wie vor als attraktives Land für Berufseinsteiger. Die Einstiegsgehälter fallen hierzulande am höchsten in Pharma- und Chemie-Unternehmen sowie bei Finanzdienstleistern aus, wenngleich die Vergütungen im Vergleich zum Vorjahr in nahezu allen Branchen außer Pharma und Chemie zurückgegangen sind. So müssen Einsteiger die größten Abstriche in der Finanzbranche (-5,8%) und in Ingenieurberufen (-7,2%) machen.
Zu diesen Ergebnissen kommt eine Analyse der Unternehmensberatung Towers Perrin, die die Vergütungen von Berufseinsteigern in sechs europäischen Ländern zwischen November 2008 und April 2009 vergleicht.
„Berufseinsteiger sehen sich vielfach mit generellen Einstellungsstopps konfrontiert und sind, bedingt durch die krisenbedingt geringere Nachfrage, auch auf der Vergütungsseite erheblich betroffen“, erläutert Martin Hofferberth, Manager European Databases bei Towers Perrin. „Einstiegsgehälter sind immer ein Spiegel der Wirtschaftssituation. Sobald Unternehmen zuversichtlicher in die Zukunft schauen, erfolgen mehr Neueinstellungen und die Vergütungsseite kommt in Bewegung. Aber dieser Zeitpunkt ist noch nicht absehbar“, so der Vergütungsexperte.
Einsteiger in Großbritannien besonders hart betroffen
Der durchschnittliche Wert für die Gesamtvergütung eines Berufseinsteigers auf europäischen Niveau beläuft sich Stand April 2009 auf rund 57.200 €, was einem Rückgang von -3,6% gegenüber November 2008 entspricht. Entsprechend der Krisenentwicklung in den einzelnen Volkswirtschaften stehen diesem Wert deutlich abweichende nationale Werte gegenüber. So hinterlässt die Krise in Großbritannien die deutlichsten Spuren; die durchschnittliche Gesamtvergütung sinkt hier im Vergleichszeitraum um -9,4%; in Italien ist es lediglich ein halbes Prozent. Zwischen diesen Extremen rangieren die Werte für Deutschland (-3,6%) die Schweiz (-3,2%), Frankreich (-2,6%) und Österreich (-1,8%).
Ungeachtet dieser Entwicklungen gerät das klassische Gefüge der europäischen Vergütungslandschaft nicht ins Wanken. Noch immer beziehen Berufseinsteiger in der Schweiz mit durchschnittlich rund 65.300 € die höchste Gesamtvergütung, gefolgt von Deutschland (54.800 €), Frankreich (46.900 €), Österreich (46.000 €) und Großbritannien (39.600 €). Das Schlusslicht bildet Italien mit rund 33.500 €.

Abbildung: Gesamtvergütung nach Ländern und Branchen Stand April 2009 (Werte in Euro) sowie Veränderungen (+/- in %) im Vergleich zum November 2008
Technologie- und Finanzbereich am stärksten betroffen
Aus Branchenperspektive sind die Einsteigervergütungen in High-tech- und Telekom-Unternehmen am stärksten unter Druck geraten. Über alle einbezogenen Länder hinweg ist hier ein Rückgang der durchschnittlichen Gesamtvergütung um -6,5% zu verzeichnen; in der ebenfalls stark krisengeschüttelten Finanzbranche sind es -4,9%. In beiden Industrien sind es die britischen Berufseinsteiger, die mit -11,1% (Financial Services) und -11,6% (High-tech/Telekom) und damit die mit Abstand stärksten Einbrüche verzeichnen.
Mit Ausnahme von Großbritannien fallen die Vergütungsrückgänge in der Finanzindustrie jedoch moderater aus als bei High-tech- und Telekom-Firmen. Zudem ist das absolute Vergütungsniveau in der Finanzbranche weiter hoch und rangiert mit durchschnittlich 51.800 € in der Studie an zweiter Stelle, etwa 15% über dem Vergleichswert für High-tech- und Telekom-Branche (43.800€).
Pharma-Industrie zeigt sich robust
Die Top-Gehälter im europäischen Branchenvergleich werden laut Analyse in der Pharma- und Chemie-Industrie (54.000 €) gezahlt. Die Vergütungen hier erweisen sich in der aktuellen wirtschaftlichen auch am robustesten. Gegenüber dem Vorjahr haben sie sich weder in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch in Frankreich wesentlich verändert. Während sich Berufseinsteiger in Italien sogar über einen Anstieg der Zieleinkommen in Höhe von 7,6% freuen können, müssen britische Fach- und Hochschulabsolventen sowie Young Professionals auch hier die deutlichsten Abstriche hinnehmen: Ihre durchschnittlichen Zieleinkommen sinken um 8% auf nunmehr 35.800 €. Damit liegen sie zwar noch knapp über dem Vergleichswert für Italien (33.800 €), aber deutlich unter den Spitzenwerten der Analyse, die für die Schweiz 67.000 €, für Frankreich 63.800 € und Deutschland 63.500 € ermittelt hat.
Trotz Fachkräftemangels Ingenieurgehälter unter Druck
Erhebliche Auswirkungen hat die Wirtschaftskrise auch auf die Bezüge von Einsteigern in Ingenieurberufen: Mit durchschnittlich -3,6% sind diese im Untersuchungszeitraum deutlich gefallen. Lediglich in Italien ist das Vergütungsniveau stabil geblieben.
Am spürbarsten sind die Folgen für junge Ingenieure in Deutschland. Sie beziehen mit 53.200 € durchschnittlich -7,2% weniger Gesamtvergütung als noch im letzten Herbst. Ein deutlicher Rückgang in Höhe von -5,5 % auf absolut 38.100 € ist auch für Großbritannien zu verzeichnen. Der Spitzenwert in der Vergütung des Ingenieur-Nachwuchses ist erneut für die Schweiz zu konstatieren: Trotz eines Rückgangs von -3,3% beläuft er sich aktuell auf 66.900 €.
„Im Ergebnis des Mangels an Fachkräften unterschiedlicher Qualifikation und Berufserfahrung sind die Einstiegsgehälter von Ingenieuren in den jahrelang kontinuierlich und überproportional gestiegen. Diese Entwicklung scheint gestoppt, Ingenieure beziehen wieder geringere Einstiegsgehälter, die in ihrer absoluten Höhe aber nach wie vor attraktiv sind“, erläutert Towers Perrin-Vergütungsexperte Martin Hofferberth die angesichts der demografischen Situation in den Volkswirtschaften überraschende Entwicklung.
Die aktuelle durchschnittliche Vergütung von jungen Ingenieuren liegt im europäischen Durchschnitt bei ca. 44.700 € und damit leicht über dem Niveau der Einsteigervergütung in Zentralfunktionen wie Marketing, Finanzen, Recht etc. (44.100 €).
Variable Vergütungsanteile leicht rückläufig
Die aktuelle Diskussion um variable Vergütung schlägt sich auch im Rahmen der Studie nieder. In den meisten europäischen Ländern stagnieren die Bonusanteile in Prozent der Grundvergütung oder sinken, nur in Ausnahmefällen steigen sie geringfügig. Nach wie vor agieren Finanzdienstleister mit den höchsten variablen Vergütungsbestandteilen, wobei der Umfang landesspezifisch stark schwankt: von Österreich mit 8% bis Italien mit 14%. In anderen Branchen liegen die Bonusanteile zum Teil deutlich darunter. So identifiziert die Studie 5% als minimalen variablen Anteil bei Pharma- und Chemie-Unternehmen in der Schweiz. Der Durchschnitt des variablen Vergütungsanteils über Branchen und Länder hinweg liegt bei etwa 9%.
„Noch 2008 hat die Bedeutung der kurzfristigen erfolgsabhängigen Vergütung zugenommen, nun ist teilweise eine gegenläufige Entwicklung zu verzeichnen. Dabei dürfte es sich nicht nur um eine temporäre Erscheinung handeln, denn gerade in der Spitze haben wir in Europa bei den Einsteigern bereits ein Niveau erreicht, das sinnvoll ist nicht ausgebaut werden muss“, zeigt sich Towers Perrin-Berater Hofferberth überzeugt. Er verweist zugleich darauf, dass die Unternehmen individuelle Leistung und Erfolg von Mitarbeitern aber auch zukünftig fest im Blick haben werden. „Ob und wie sich Erfolg in barer Münze niederschlägt, hängt von den jeweiligen Vergütungsstrategien ab.“
Hintergrundinformationen zur Datenbasis
Gegenstand der aktuellen Towers Perrin-Analyse ist die Vergütung von Berufseinsteigern und Young Professionals mit bis zu einem Jahr Berufserfahrung in sechs europäischen Ländern: Deutschland, Österreich, Schweiz, Großbritannien, Frankreich und Italien. Analysezeitraum ist November 2008 bis April 2009. Untersucht wurden Vergütungswerte für tarifliche und außertarifliche Mitarbeiter der Branchen Financial Services, Pharma/Chemie, High-tech und Telekommunikation sowie die Vergütung von Ingenieuren sowie Zentralfunktionen wie Marketing, Finanzen, Recht etc. Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf den Angaben von rund 300 Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung mit mindestens 200 Mitarbeitern.
